“Speichersetup” Teil 2: Speicherdaten, Offsitebackup und Userfehler…

Teil 2: Speicherdaten, Offsitebackup und Userfehler…

Nachdem ich im ersten Teil der Artikelserie die Art und Weise beschrieben habe, wie ich mit den Bewegungsdaten arbeite, will ich heute mit den Speicherdaten weitermachen.

Unter Speicherdaten verstehe ich Daten in Jeder Form, die einzigartiger Natur sind und unbedingt gespeichert bleiben müssen. Egal, ob es sich um ein witziges Familienvideo, die ersten Worte im Leben eines Kindes als MP3 oder all die Fotos, Geschichten und Momentaufnahmen, die ein Familienleben so hervorbringt, handelt.

Das Besondere daran ist eben, das diese Information durch nichts und niemanden sonst hervorzubringen ist. Dadurch steigert sich der Wert dieses Datums extrem und der Schutzbedarf für diese Dateien ist immens.

Welche Risiken haben wir denn?
Meines Erachtens drei separate Risiken, die auch ganz unterschiedliche Gegenmassnahmen erforden:

A) Userfehler
B) Systemfehler
C) Katastrophe

A) Userfehler:

Wohl ein weit verbreitetes Fehlerbild: Irgendwer löscht ohne es zu wollen den falschen Ordner auf der Festplatte. Und weil er seiner Sache ganz sicher war, umgeht er/sie den Papierkorb. Schon fehlt der Fotoordner, in dem die ersten Smartphone Geburtsfotos des ersten Kindes gespeichert waren. Ich habe so einen ähnlichen Fehler selbst gemacht und möchte den Blick meiner geliebten Frau nie mehr wieder sehen.

Hier hilft nur eines: BACKUP!

Was genau ist Backup? Backup sollte einfach gesagt die Speicherung aller relevanten Daten, ohne das Zutun des Users auf einem anderen System beinhalten, um bei einem Userfehler auf die Daten des anderen Systems zugreifen zu können. Mein Backup Konzept scannt immer mal wieder die Daten auf meinem System und kopiert sie direkt und ohne eine notwendige Interaktion meinerseits zu Crashplan.com. Dies geschieht nicht immer mit den gesamten Datenbeständen, sondern immer mit den aktuellen Änderungen, so dass Bandbreite und Zeit gespart werden. Sollte ich also noch ein wenig Zeit zwischen dem initialen Erstellen der Daten und dem unbeabsichtigen Löschen gehabt haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Daten bereits im Backup RZ am anderen Ende der Welt liegen und wieder von mir restored werden können. Das passiert nicht oft, aber kommt doch vor. Da beruhigt es ungemein zu wissen, dass man noch eine zweite Datenhalde aka Backup hat. Das Backup kann auch auf andere Rechner im Arbeitszimmer erfolgen, aber bei “C) Katastrophe” werde ich zeigen, warum ich diese Zwischenstation getrost ausgelassen habe. Crashplan wurde von mir letztlich durch das Kapazitätsunabhängige Preismodell ausgewählt: Beliebigen Speicher für 3$ im Monat für den Tarif “Crashplan + unlimited” ist unglaublich gut planbar. ;-)

B) Systemfehler:

Die Platte auf der alle Daten liegen geht kaputt! 2 TeraByte Familiefotos auf einen Schlag dahin! Eigentlich ein von Kostenseite her sehr leicht zu umgehendes Szenario, aber dennoch ein sehr weit verbreitetes.

Hier hilft (neben Backup) nur eines: Mehr Festplatten!

Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit sog. RAIDs (“Redundant Array of Independent Disks”) ein Speichersystem einzurichten, dass die Daten auf mehrere Festplatten speichert.

Für den Schutz gegen des Ausfall einer Festplatte reicht ein RAID-1. Hier werden alle Daten die auf eine Platte gespeichert werden sollen, direkt auf eine zweite Platte gespiegelt. Fällt nun eine Platte aus, ist die andere hoffentlich noch verfügbar und hält alle Dateien. Damit “verliere” ich natürlich die Hälfte der Speicherkapazität, jedoch gewinne ich eben die Sicherheit, dass die Daten auch den Ausfall einer Festplatte problemlos überleben..
Im verlinkten Wikipedia Artikel kann man sich die vielen Varianten betrachten, die ganz unterschiedliche Auswirkungen auf Schreib- / Leseperformance und Datensicherheit haben. Mir reicht an dieser Stelle der Hinweis, dass man mit einem geringen Mehraufwand ein RAID-1 aufbauen kann, und so gegen den Ausfall einzelner Festplatten gewappnet ist.

Mittlerweile gibt es am Markt einige einfache und günstige Systeme, die genau für diesen Einsatzzweck konzipiert wurden. In meinem Regal läuft ein Synology System mit 3 Festplatten.

2 * 1 TeraByte im RAID-1
1 * 2 TeraByte mit zwei 1 Terabyte Partitionen (deren Einsatzgebiet kommt im nächsten Artikel ;-) )

Auf diesem RAID-1 liegen nun alle Fotos, Präsentationen, Rezepte, privaten Videos, Audiomitschnitte, die es nur ein einziges Mal gibt. Das wird dort zwar nach User getrennt, so dass meine Frau ihren eigenen Arbeitsbereich organisieren kann, genau wie mein Schwiegervater. Jedoch kann mein BackupUser all diese Shares lesen und für die Crashplan Sicherung bereitstellen.
Damit ist der ganze Backupprozess sowohl für meine Frau als auch für alle anderen Nutzer des zentralen Datenspeichers bei uns im Haus unsichtbar. Nur ich checke ab und an, ob das Backup gelaufen ist, und welche Dateien grade im Backup sind. Auch dieser Text, der grade in einem Textfile im Textwrangler entsteht, ist hier schon mind. ein Mal gebackupped worden.

Es gibt zahlreiche Systeme, Wechselrahmen und Lösungsmöglichkeiten für ein RAID-1, die ich keineswegs vergleichen will oder kann. Aber ich will deutlich machen, dass ich bisher nur eine zusätzliche Festplatte brauche, die vielleicht in einem USB – Rahmen steckt, der dann in eine Backuplösung gesichert wird. Meine Lösung ist etwas grösser, teurer und komfortabler, aber das ist so erst mal nicht zwangsweise notwendig.

Sollte nun also eine Platte ausfallen, kann ich diese Daten von der zweiten Platte sehr schnell wieder herstellen. Aktuell ist unser Offsite Backup 350GByte gross, das würde als Download bei der Wiederherstellung schon eine Weile dauern!

Aber warum dann eigentlich noch ein Offsite – Backup ? Ich hab doch jetzt ein tolles RAID-1?

C) Katastrophe:

Was passiert, wenn das Regal, in dem die Daten liegen abbrennt, von einem Wasserrohrbruch weggespült oder gar gestohlen wird?

Ich möchte hier den lieben Cruiser grüßen und sinngemäß zitieren:

“Ein RAID ist kein Backup!”
 

Ich will das Backup also auf jeden Fall ausser Haus haben! Denn im Katastrophenfall, ist vielleicht meine geliebte Heimstätte nicht sicher! Wenn man sich die Frage stellt, was ein Offsite-Backup wie z.B. bei Crashplan heutzutage kostet, dann kann man den Verzicht darauf wohl kaum noch irgendwie argumentieren.

Ich bezahle für meine 350 Gbyte Offsite – Speicher 3$ im Monat. Ich hätte schon deutlich mehr für die Bilder bezahlt, die ich aus dem Backup wieder restoren konnte… ;-)

Ja diese Lösung ist nicht die schnellste, aber ich benötige sie ja auch nicht schnell! Zuverlässigkeit und Wartungsarmut waren hier die Entscheidungskriterien. Ich will mich nicht um diesen Kram kümmern müssen!

Würde jetzt also mein Haus abbrennen und mein Ausweis, mein Führerschein und meine ganz Aktenordner mit meinen Unterlagen ein Frass der Flammen werden, …

Ich würde bei einem Freund ins Onlineinterface von Crashplan gehen, dort einen Restore auf DVDs per Post ordern und wissen, dass ich auch nach dem Hausbrand noch die Fotos von den ersten Lebensmomenten meiner Kinder, genau wie die Versicherungspapiere, Arbeitszeugnisse und ähnliches im Zugriff hätte. Dieses gute Gefühl ist dieses Geld auf jeden Fall wert!

Zwar sind die Daten im Backup natürlich verschlüsselt, jedoch ist hier die Verfügbarkeit der Daten im Vordergrund. Ihr seht auch hier ein ganz einfaches, logisches System, ohne Magie und Expertenwissen. Das kann Jede(r) so bei sich aufbauen, ohne ein Informatikstudium absolvieren zu müssen. Das Ganze funktioniert natürlich auch unter Windows, nur habe ich dieser Plattform nun endgültig den Rücken zugedreht und ich arbeite ausschliesslich auf MAC OS 10.7 “LION”.

Eines sollte dem aufmerksamen Leser aber direkt ins Auge gestochen sein. Es gibt keine Dateien auf den Rechnern selbst, sondern die liegen alle zentral. So liegen alle Fotos, Musikfiles etc. auf dem zentralen System und nicht über vier Rechner verteilt. Wenn dann jemand tatsächlich eine lokale Kopie braucht, kann die danach sorglos gelöscht werden Das ist für alles was ins Backup muss richtig und wichtig so, aber nicht immer praktikabel, so dass leider ab und an auch lokal wichtige Daten auftauchen.

Jetzt fehlt noch der dritte Bereich der “Haltedaten”, die im nächsten Artikel kurz erläutern möchte.


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